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PRESSE

Interview

Ablaze Magazin
3. August 1999
Deutschland

Ablaze Magazin

Interview

Author:

Jana Fliedner

[Dieses Interview sollte im 1999 im Ablaze Magazin #29 erscheinen, leider ist es dazu nie gekommen. Trotzdem wollen wir es hier veröffentlichen, weil es einen wertvollen Einblick in die frühen Zeiten von Sanity gibt]

Wann habt Ihr SANITY gegründet?

Sommer 1994


Wann hattet Ihr die Idee eine Band ins Leben zu rufen bzw. was war der Auslöser dafür? Habt Ihr davor schon in anderen Bands/Projekten mitgewirkt?

Wir sind beide mit Musik aufgewachsen (Florian lernte Trompete spielen, Phil Klavier). Auf dem Gymnasium entschieden wir uns dann für den Leistungskurs Musik. Außerdem spielen Philipp und ich seit 10 Jahren in einer Cover-Rockband (P.-Drums/Gesang, F.-Trompete/Gesang). Die Musik nahm einenimmer größeren Stellenwert in unserem Leben ein. Da uns in der Rockband die harte Musik zu kurz kam, entschieden wir, damals sehr von
Nirvana beeinflußt, unsere eigene Band zu eröffnen. Wir komponierten unsere ersten eigenen Songs. Benjamin kam zu Sanity 1995.


Nenne bitte Eure bisherigen Veröffentlichungen (Demos, CDs...)! Wann sind sie erschienen? Welchen Musikstil hatten sie? Welche Reaktionen gab es darauf und wie ward Ihr selbst mit demErgebnis zufrieden?

Juni 1996 - Demo Tape; The End Of Time/Grunge, The Lonely Little Boy/Ballade, Confessions Of A Cyberpsycho/Deathmetal. Auflage 62 Stück. Alle Freunde fanden es toll, sonst keine Reaktion. Wir waren schon sehr stolz auf uns !

Sommer 1998 - Sinister Reflections, 1.Album; Athmospheric Avantgarde Black-/Deathmetal. Auflage 300 Stück (270 verkauft). Kam allgemein sehr gut an, kein Plattenvertrag, aber Mailorder, 3x im Radio gespielt, Anfrage aus
Rumänien (woher kennen die uns ???) und super Kritik im ABLAZE (! Danke....) sowie in einem Berliner-Szene-Mag namens "Booster". Außerdem kommen wir mit beiden Platten in die Black-Metal-Bible von Mathias Herr.
Es gibt kein tolleres Gefühl, als die erste selbstprodzierte CD ! Wir sind sehr zufrieden, auch wenn wir natürlich den Unterschied zu manch anderer Produktion hören. Aber unsere CD hat in allem nur 1000,- DM gekostet (!!!).

Frühjahr 1999 - Nocturnal Poems, 2.Album; Symphonic Black-Metal. Auflage 500 Stück (schon 250 verkauft). Geht weg wie warme Semmeln. Wir sind selbst überwältigt, wie geil das Werk geworden ist.


Wie hat sich das Line-up seit Bandgründung verändert?

In den Anfangstagen der Band spielte wir nur mit einem Bassisten, Phil an den Drums und mir an der Guitar. Bald merkten wir jedoch, daß man eigentlich nur vernünftig mit 2 Guitars metaln kann (Soli usw.). Kurzzeitig spielten dann zwei andere Typen jeweils die zweite Guitar, bis wir schließlich bei Ben landeten. Der Baß hat auch schon vier Gesichter gesehen und ist nun wieder unbesetzt. Daher kam die letzten Jahre der Baß eigentlich live und auf den Alben immer vom Synthi (wie das life funktioniert ? : s.u.).


Wer spielte bei 'Sinister Reflections' und 'Nocturnal Poems' eigentlich das Keyboard? (Da schweigen die Booklets leider.)

Die Orchesterarrangements wären nur von mind. 4 Keyboardern zu bewältigen. Daher haben wir schon früh einen genialen Weg beschritten: Philipp und ich komponieren sowieso nur noch am Computer mit Cubase VST. Somit sind die Orchesterarrangements schon fertig ausgearbeitet im Rechner als Midifile vorhanden. Diese spielen wir nun Live mit dem Midifileplayer über unseren Synthesizer ab. Philipp erhält als Drummer einen Klick über Kopfhörer, um synchron zu den Keyboards spielen zu können. Außerdem ist ein sehr eleganter Nebeneffekt, daß unsere voll midifähigen Amps und Effektgeräte nun auch per Midi geschaltet werden und wir uns ganz auf die Bühnenshow konzentrieren können.


Das Arbeiten an Musik und Texten teilst Du Dir offensichtlich mit Philipp. Wie sieht da die Arbeitsteilung bzw. Arbeitsweise aus? Ergänzen sich z.B. Eure verschiedenen Charaktere, Interessen....?

Wir sind keine Sessionband. Bei uns komponiert Philipp oder ich ein Lied am Computer voll durch, mit Gesang, Keyboards, Schlagzeug, Gitarren und Soli. Dann legt er den anderen die Noten vor und wir spielen das Stück. Es kann vorkommen, daß Philipp mal einen Teil komponiert hat, den er noch nicht eingebaut hat, den ich dann in mein neues Lied einbaue, oder das ich einen Text schreibe für Philipps neues Lied, wenn ihm gerade keiner einfällt. Aber
im Grunde genommen gibt es wenig Arbeitsteilung.

Wie wir uns ergänzen ? Also ... wir sind eineiige Zwillinge und uns sehr ähnlich, vom Aussehen (bis auf die unterschiedliche Haarlänge), als auch vom Charakter und den Interessen. Daher ergänzen wir uns sehr gut, weil wir ohne zu reden immer genau wissen, was der andere meint, wenn er z.B sagt: "Spiel mal sowas …". Benny komponierte nur ein Lied auf der Sinister Reflections und hält sich jetzt da raus. Er war uns eine große Hilfe bei den Covern für die beiden Alben.


Ihr bezeichnet Eure Musik als Atmospheric Avantgarde Symphonic Black/Death Metal. Welche Komponenten Eurer Musik wollt Ihr damit zum Ausdruck bringen? Worauf legt Ihr bei Eurer Musik besonders Wert, was ist Euch dabei wichtig? Was möchtet Ihr mit der Musik vermitteln? (z:B. Gefühle wie Haß und Verzweiflung,Schwermut und Aggression sowie Sehnsucht?)

Wir sind symphonisch: Umfangreiche Orchesterarrangements bestimmen unsere Musik.Die Avantgarde findet sich darin wieder, daß es uns wichtig ist, interessante Harmoniefolgen und komplexe Songstrukturen zu verwenden, also nichttriviale Kompositionen auf hohem Level zu spielen. Da unsere Musik eigentlich größtenteils verträumt und fantastisch anmutet - das schließt ja Härte nicht aus - und wir eine schöne, schaurige Athmosphäre vermitteln wollen, und nicht einfach nur brutalen Lärm, erkärt sich das "athmospheric". Das Black/Death wurde uns eigentlich eher in den Mund gelegt...ich meine, hör' Dir das Werk an und Du denkst an Black- und teilweise an Death-Metal.
Das hat nichts mit Überzeugung oder so zu tun, es ist nur eine Beschreibung, was der Hörer zu unserer Musik assoziieren wird, um ihm auch ohne Hörgenuß eine Vorstellung dessen zu vermitteln, was ihn erwartet.

Was wollen wir vermitteln? Eigentlich soll unsere Musik nur schön sein und enorm kraftvoll. Live vermitteln wir natürlich noch etwas Unheimliches, um die Show interessant zu machen.


Eure Mischung aus Black/Death Metal, Klassik, sakrale Musik sowie etwas Ambiente ist eigenständig gelungen. Welche Bands bzw. Künstler dieser Bereiche haben Euch besonders beeindruckt,inspiriert und warum? Seht Ihr eventuell eine musikalische, geistige oder gefühlsmäßige Verwandtschaft zu anderen Bands?

Inpiriert sind wir durch Künstler wie Elend, Arcturus, Dimmu Borgir, Mystic Circle und Emperor, durch die Gregorianik, als auch durch Guillaume de Machau mit seiner Messe de Notre Dame, durch Malers wunderschöne Symphonien. Ihre Musik ist einfach genial. Wir sehen eigentlich keine Verwandschaft zu anderen Bands.


Womit setzt Ihr Euch in den Texten auseinander? Gibt es textliche Themen, die in Euren Veröffentlichungen immer
wiederkehren?

Wir sind unpolitisch und unreligiös. Unsere Texte sind eigentlich durchweg Fantasytexte, die die Musik untermalen und die Atmosphäre unterstützen. Wir haben alle nicht den Hang dazu, uns im Text mit unseren Problemen auseinanderzusetzen (...zumal wir eigentlich auch nicht so viel davon haben...wir sind glückliche Menschen !!!...).


Wo liegen Eure Interessen außerhalb der Musik (Geschichte, Kunst....)? Die Texte zu 'Der Knabe im Moor' und 'Belsatzar' sind ja vertonte Werke der Literatur. Interessiert Ihr Euch für Literatur, oder warum habt Ihr Droste-Hülshoff und Heine verwendet?

Philipp: Also Musik ist eigentlich mein Leben. Neben Sanity und der Rockband habe ich mit Flo noch ein Cool Jazz Duo. Ich studiere Elektrotechnik und will Toningenieur werden. Außerdem bin ich leidenschaftlicher Rollenspieler.
Florian: Nun ja, ich studiere mit Begeisterung(!) Wirtschaftsingenieurwesen und lese für mein Leben gerne Sci-fi und Fantasy. Phil und ich sind eigentlich beide Naturfreaks. Ansonsten s.o.

Warum haben wir Droste Hülshoff und Heine genommen ... ehrlich gesagt tun wir uns mit dem Texteschreiben manchmal ein bißchen schwer. Da sich unsere Eltern sehr für Literatur interessieren, haben wir sie einfach nach einem düsteren Gedicht für unsere Musik gefragt. Und da waren "Belsatzar" und "Der Knabe im Moor" die Empfehlungen.


Warum wurde Sanity als Bandname gewählt? In welcher Bedeutung zu Musik und Texten ist der Bandname SANITY eventuell zu sehen?

Wir haben bei der Bandgründung lange über einen Namen gegrübelt. Es sollte eine Name sein, der etwas aussagt und Sinn bringt, um genau in einem solchen Moment auch eine gute Antwort geben zu können. Hier ist sie: "Sanity" heißt "Zurechnungfähigkeit", "geistige Gesundheit". Und das ist uns wichtig. Wir finden es nicht gut, wenn Bands stolz auf ihr schlechtes Brutalo-Image sind oder in irgendwelchen wahnwitzigen Satanslobpreisungen aufgehen. Der Name spiegelt auch die durchaus anspruchsvolle Musik wieder.


Gibt es Dinge, die Ihr bei zukünftigen Veröffentlichungen ändern, hinzunehmen.... wollt? Gibt es schon Konkretes für den nächsten Silberling?

Wir haben bis jetzt mangels guter Bassisten immer mit einem Baß vom Synthi gearbeitet. Seit Juli haben wir endlich einen Basser. Damit kommt auf die nächste Scheibe auch ein richtiger Baß. Außerdem haben wir vor, die Drums
für die nächste Scheibe richtig einzuspielen und die Gitarren fetter abzumixen. Konkret für das nächste Album ist nur der Termin: Philipp will in den Wintersemesterferien wieder zuschlagen, also Frühjahr 2000. Und die Songs
kommen schneller als man denkt.


Habt Ihr Euer Material schon an Label geschickt, an welche und wie waren die Reaktionen?

Wir haben schon Material an Labels wie Nuclear Blast, Perverted Taste, Metal Blade, Prophecy, Ars Metalli und Kettenhund geschickt, und durchaus sehr gute Kritiken für die beiden Alben bekommen. Vor ein paar Tagen haben wir einen Plattendeal angeboten bekommen, wissen aber noch nicht, was weiter daraus wird... Erfreulich ist auch, daß wir ein paar Mal im Radio gespielt wurden, z.B. Fritz mit "Stahlwerk" oder OKB 92,6 cable "Absinth For God", was uns gleich ein paar CD-Bestellungen einbrachte... Seitdem wir den Track „Die verlorene Schlacht“ auf dem Ablaze Sampler präsentierten (Ablaze 29), fing der CD-Mailorder dann schließlich an, auf Hochtouren zu laufen.


Wie sieht es mit Eurer Live-Präsenz aus? Habt Ihr schon Erfahrung auf der Bühne sammeln können? Was habt Ihr
in dieser Hinsicht vor?

Live sind wir ständig am Ball. Unsere Performance würde ich als ausgereift bezeichnen. Auch soundmäßig liegen wir immer sehr gut. Für die nächsten Monate sind ersteinmal ein paar Konzerte in Berlin und Umgebung, sowie Thüringen und im Erzgebirge geplant

24. Sep 1999 - Falkensee, Saftladen ( + Maggots)
9. Okt 1999 - Berlin, Weiße Rose, Berliner-Metal-Festival Weiße Rose ( + Ferox + Final Dawn + Sinners Bleed + Anencephalus + Dawn Berlin + Akrival)
23. Okt 1999 - Berlin, Metal im Steig Festival ( + Dawn + Quasimodo)
7. Nov 1999 - Berlin, Burg Berlin, Odyssee-Con
18. Dezember - Berlin, KvU „Dance In The Black Cave“
15. Jan 2000 - Aue, Flax ( + Cryptic Carnage + Impending Doom)
29. Jan 2000 - Oelsnitz, Heavy & Bikertreff ( + Seelenschmerz)


Ihr habt Eure beiden CDs ja in Eigenregie aufgenommen und ward dabei nicht in einem "richtigen" Studio, oder?Wieso eigentlich nicht? (Ich finde den Sound beider CDs etwas zu dünn. Speziell die E-Gitarre ist zu sehr in den Hintergrund gemischt, wodurch das Keyboard zu dominant wirkt.)

Mir scheint, Ihr benutzt einen Drumcomputer, oder? Zwar ist in der CD Philipp bei Drums angeführt, aber ich würde meinen, er hat "nur" einen synthetischen Kollegen programmiert? - Jedenfalls klingt das Schlagzeug wie aus der Dose. Ist diese Variante für Euch in Ordnung, gar vorteilhaft, oder wäre Euch ein leibhaftiger Drummer lieber?

Philipp will Toningenieur werden und benutzt die Produktion von Sanity als Praxis. Nocturnal Poems war seine zweite Produktion. Das Gute ist, das er genau weiß, wie die Kompositionen klingen sollen...und mal ehrlich, bis auf
die etwas dünnen Gitarren (die ihre Ursache in der etwas Low-Budget-Hardware haben) ist der Sound enorm differenziert und von herausragender Qualität... Zumal durch die fette Orchestration - die ja bei uns im Vordergrund steht - der Sound auch sehr komplex ist, wir haben teilweise mit bis zu 50 Spuren gearbeitet. Das hätten wir im nichteigenen Studio nicht bezahlen können, zumal wir, wie du weißt, immer noch kein Label haben und mit Absatzzahlen von ca. 500 Stück rechnen. Da es uns wichtig ist, die CD's zum Hammer-Crash-Preis von 10 DM zu verkaufen(--> wir wollen uns dadurch eine breite Basispräsenz von Sanity sichern...was auch gelingt, denn einfach jeder greift bei 10 DM zu) Das heißt, es liegt letztendlich an der Kohle... Somit erklären sich auch die Synthidrums. Natürlich kann Philipp alle unsere Songs live spielen, sonst stünde er nicht so im Booklet. Aber wir haben kein
richtiges Studio zur Verfügung, um ein Schlagzeug aufzunehmen, denn die ganze Produktion fand im Haus unserer Eltern statt ! Für die nächste Produktion haben wir uns aber vorgenommen, das Schlagzeug richtig einzuspielen, sowie den Gitarrensound zu verbessern.

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