PRESSE

April 2001
Vönger Online Magazin
CD „Schattensymphonie“ ausgezeichnet als “Album der Version 15.0
”Rezension der CD „Schattensymphonie“

Nach zwei in Eigenregie produzierten Alben, die seinerzeit die meisten Veröffentlichungen im deutschen Undergound mühelos überragten, konnte die Berliner Band 2000 einen Vertrag bei MMJ unterzeichnen. Als erstes hörbares Ergebnbis dieser Zusammenarbeit liegt nun das dritte Album von Sanity vor. Nach zwei fordernden Alben ist "Schattensymphonie" ein gutes Stück eingängiger und kompakter ausgefallen. Gleich nach dem feierlich getragenen Intro, zeigt "Das Beil", wo der sprichwörtliche Hammer hängt. Das Stück ist äußerst kraftvoll und glänzt durch eine zweifellos detailreiche, aber in keiner Weise überladene, orchestrale Begleitung. Letzteres gilt im Übrigen nicht nur für "Das Beil", sondern für das gesamte Album. Dazu kommen zwei kurze instrumentale Intermezzi, die den hingebungsvollen Höhepunkt des Stückes mit einem hörenswerten Leadgitarreneinsatz einrahmen. "Highland Epos" wirkt danach noch eine Spur ungestümer, läßt aber auch Verschnaufpausen zu. Auch werden hier, der Titel läßt es schon vermuten, Naturklänge und Dudelsackklänge verarbeitet, die an einigen Stellen die Musik geradezu erhaben wirken lassen. Es folgt ein romantisch-traumhaftes Instrumentalstück, das die durch "Highland Epos" angeheizte Atmosphäre wieder ein wenig abkühlt und an das sich nach dreieinhalb Minuten beinahe nahtlos "...December" anschließt. Auch hier wurden wieder eingängige Melodien, prägnante Orchester-Effekte und brachiale Gitarrenschübe zu einem Kraftpaket verschmolzen. Das folgende Stück schließlich, "Insomnia", besitzt geradezu Hitcharakter. Nach einer eigentümlichen, elektronischen Einleitung, die ein wenig an die Synthesizer-Werke von Burzum erinnert, entfesseln Sanity ein unheilvolles Wechselspiel zwischen schwarzmetallischer Brachialität und hinreißender Leichtfüßigkeit im Refrain, der geradezu zum Mitsingen einlädt. Ein heroisches Gitarrensolo im letzten Drittel macht "Insomnia" dann endgültig zum Überflieger auf "Schattensymphonie". In "Linear Scaffold" wurden zu den für dieses

Album üblichen Zutaten noch eine kleine Spur Wahnsinn und Morbidität hinzugefügt. Diese ungewohnte Akzentuierung klingt nicht uninteressant, wirkt für meinen Geschmack aber etwas halbherzig. Hier hätte man ruhig ein wenig mutiger sein können. Nach einem weiteren luftigen Instrumentalstück, in dem diesmal auch Gitarren verwendet wurden, folgt mit "Blutrausch" der vorletzte und zugleich wildeste Song auf "Schattensymphonie". Zwar findet man auch hier langsamere Passagen, in der Summe zeichnet sich dieses Stück aber durch die über weite Strecken hohe Geschwindigkeit, die teilweise hektischen Effekte und die bisweilen chaotischen Gitarrenleads aus. Nach fast fünfzig Minuten beschließt ein majestätisches Outro das bisher stärkste Album von Sanity. Doch auch die Produktion der ungemasterten Promo-Kopie von "Schattensymphonie" stellt seine beiden Vorgänger in den Schatten: die Gitarren sind von erstaunlicher Wucht und auch das Schlagzeug stammt zum ersten Mal nicht vom Computer, sondern aus den Armen von Philipp Weishaupt. Die Orchesterteile sind zwar schon recht gut auszumachen, verblassen aber dennoch etwas hinter der Gitarrenwand. Jeoch stehen die Chancen nicht schlecht, daß diese Einschränkung für die endgültige, fertig gemasterte Ausgabe entfällt. Die Fähigkeit von Sanity, tonnenschwere Gitarren und opulente Orchesterpassagen so zu arrangieren, daß leicht hörbare und dabei interessante Songs entstehen, ist erstaunlich. Dazu kommt, daß die Berliner mit dem kraftvollen Organ von Florian Weishaupt auch im stimmlichen Bereich zum oberen Drittel in der extremen Metal-Szene gehören.  "Schattensymphonie" bedient sich zwar einiger Elemente aus dem Black Metal, hat aber atmosphärisch wenig damit zu tun. Vielmehr hat man es hier mit einem teils aggressiven, teils fantastischen Album zu tun, das sich ohne große Anstrengungen hören läßt und derzeit zweifellos zur deutschen Oberklasse gehört. (D)
Titel: 10 Spielzeit: 49.19 Fazit: Oberklasse